Fachartikel VOICE 2026: Souveräne Datenverarbeitung: Vorteile eines europäischen Cloud-Anbieters

Souveräne Datenverarbeitung: Vorteile eines europäischen Cloud-Anbieters

Interview mit Mark Neufurth, Public Sector Strategist bei IONOS, und Dennis Feiler, Geschäftsführer von DFC-SYSTEMS

DFC-SYSTEMS, Anbieter von sprachbasierten Dokumentationslösungen für das Gesundheitswesen, bietet diese sowohl aus der Cloud als auch on premises an.

2025 hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, seine Cloud-Infrastruktur auf die IONOS Rechenzentrums-Infrastruktur zu migrieren. Mark Neufurth, Public Sector Strategist bei IONOS, und Dennis Feiler, Geschäftsführer von DFC-SYSTEMS, erläutern in diesem Interview die Gründe für diesen Wechsel sowie die aktuellen Diskussionen zum Thema „Souveräne Datenverarbeitung in der Cloud“ – insbesondere im Gesundheitswesen.

VOICE: Immer mehr Akteure im Gesundheitswesen entscheiden sich für den Weg in die Cloud. Was hat diesen Wandel – nach der ursprünglichen Skepsis – verursacht?

Mark Neufurth: Die gesetzlichen Novellierungen zum Juli 2024 – Gesundheitsdaten unter scharfer Compliance in die Cloud geben
zu können – haben gewiss dazu beigetragen, den Boden zu bereiten. Auch die fortschreitende grundsätzliche Digitalisierung im Gesundheitswesen, wie z. B. Elektronische Patientenakte, Terminbuchungstools aus der Cloud und E-Rezepte, befördern indirekt die Cloudnutzung, da nun die Vernetzung und Integration von Anwendungen einfacher werden.

Dennis Feiler: Auch wenn viele unserer Kunden, historisch bedingt, unsere Software-Lösungen noch in ihrer eigenen IT-Infrastruktur (on premises) betreiben, geht die Tendenz bei der Bereitstellung eindeutig hin zur Cloud: Die Akteure setzen verstärkt auf Cloud-Lösungen, um die eigene IT-Abteilung vom hohen Wartungsaufwand und Betrieb zu entlasten, und der Fachkräftemangel macht sich nicht nur bei Ärzten und Pflegefachkräften, sondern auch in den IT-Abteilungen bemerkbar. Durch das „Software-as-a-Service“-Modell profitieren die IT-Verantwortlichen von einer Software-Bereitstellung ohne langwierige Installationsprozesse bei automatischer Skalierbarkeit; auch die Installation von neuen Anwendungen kann um ein Vielfaches schneller erfolgen. Zudem bieten Cloud-Anbieter oft ein höheres Schutzniveau gegen IT-Sicherheitsrisiken. Nicht zuletzt ermöglicht der Schritt in die Cloud eine Umwandlung hoher Investitionskosten in planbare Betriebsausgaben, was auch die wirtschaftliche Flexibilität der Gesundheitsdienstleister erhöht.


VOICE: Was ist dem Kunden bei der Auswahl des Cloud-Dienstleisters und des damit verbundenen Rechenzentrums-Anbieters wichtig?

Mark Neufurth: Gesundheitsdaten sind äußerst sorgfältig zu behandeln. Somit müssen Digitalisierungsdienstleister hohe Compliance-Standards einhalten, z. B. SSI C5-Testate vorweisen können. Auch ist eine ausreichende digitale Souveränität für Patienten, Gesundheitswesen und Dienstleister hier eminent.

Dennis Feiler: Die Compliance-Standards sind wichtig, auch damit der Kunde die Möglichkeit hat, Anbieter in puncto IT-Sicherheit qualitativ zu beurteilen. Die Einhaltung der Standards, wie u. a. die ISO/IEC 27001, darf aber nicht beim Rechenzentrums-Betreiber enden, sondern muss auch durch den Software-Hersteller (Software-as-a-Service-Anbieter) sichergestellt werden. Nur so lassen sich ein durchgängiges, zuverlässiges Informationssicherheitsmanagement und der Schutz der Kundendaten gewährleisten. Kunden sollten sich nicht nur auf Herstellerhinweise wie „DSGVO-konforme Datenverarbeitung“ verlassen, sondern die entsprechenden Zertifikate vom Software-as-a-Service-Anbieter wie auch vom dahinterstehenden Rechenzentrums-Betreiber einfordern.


VOICE: Aufgrund der aktuellen geopolitischen Situation wird immer
häufiger das Thema Datensouveränität diskutiert. Sind die in diesem Zusammenhang genannten Bedenken gerechtfertigt?

Mark Neufurth: Ich darf „Daten- und Anwendungssouveränität“ sagen? Der Umgang mit Gesundheitsdaten und -anwendungen muss äußerst diskret geschehen. Sonst verlieren Patienten, die letzten Endes auch Bürger sind, das Vertrauen in das System. Dafür jedoch muss dieses, wenn digitalisiert, unter möglichst vollständiger Kontrolle des nationalen Gesundheitswesens und der heimischen Gerichtsbarkeit stehen – faktisch, juristisch und vertrauenspsychologisch. Daher muss in Zeiten, in denen Geopolitik Realpolitik bedeutet, der exterritoriale Einfluss minimiert werden. Faktische Störungsmöglichkeiten des Systems sind zu unterbinden.

Dennis Feiler: Die Sensitivität unserer Kunden diesbezüglich ist berechtigterweise sehr hoch. Viele wollen neben den gängigen
Zertifizierungen und Testierungen auch wissen, wer das Rechenzentrum betreibt. Die aktuelle geopolitische Situation hat die Intensivität der Fragen deutlich erhöht. Immer häufiger fragen Kunden nach der Option, unsere Software-Lösungen auch über ein durch ein deutsches Unternehmen betriebenes Rechenzentrum zu beziehen. Die Daten- und Anwendungssouveränität rückt daher nicht nur bei den Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragten unserer Kunden, sondern auch bei deren Geschäftsführung in den Fokus.


VOICE: Die bekannten großen amerikanischen Hyperscaler argumentieren häufig mit ihrem umfangreichen Cloud-Dienste-Angebot und günstigen Konditionen. Haben die anderen Anbieter hier Wettbewerbsnachteile?

Mark Neufurth: Günstig, jetzt muss ich schmunzeln. Das ist ein Narrativ, das gerne gestreut wird, um europäische Alternativen zu diskreditieren. Halten Sie zwei gleiche Instanzen mit dem gleichen Setting an Core-Typen, RAM und Netzwerk nebeneinander, werden Sie sehen, dass IONOS z. B. deutliche Preis-Performance-Vorteile bietet. US-Hyperscaler machen dann einen Punkt, wenn Sie eine vertikale Integration wollen. Deren Lösungen sind bequem zu nutzen und einfach zu administrieren, jedoch macht man sich dadurch natürlich auch von einem einzelnen Anbieter abhängig. Dieser implementiert Funktionen, die vielleicht gar nicht benötigt werden und den Nutzer zu ungewollten Workflows zwingen. Das Resultat davon sind oft gravierende Preissteigerungen.

Dennis Feiler: Wir können nicht behaupten, dass europäische Cloud-Infrastrukturanbieter wirtschaftlich nicht attraktiv sind. IONOS als unser Rechenzentrums-Dienstleister bietet uns im Vergleich zu nichteuropäischen Anbietern mehr Leistung zu attraktiveren Konditionen.


VOICE: Warum hat sich DFC-SYSTEMS für IONOS als Rechenzentrums-Dienstleister entschieden?

Dennis Feiler: Als mittelständisches Unternehmen benötigen wir einen Partner auf Augenhöhe, der uns bei der technischen Planung und Umsetzung unserer Cloud-Strategie unterstützt. Bei IONOS stehen uns hierfür die fachlichen Ansprechpartner persönlich zur Verfügung. Insbesondere der Zugriff auf die IONOS-Kompetenzen in den Bereichen Cybersecurity, Ausfallsicherheit und Skalierbarkeit sowie das Angebot an weiteren Services waren für uns bei der Auswahl des Rechenzentrums-Dienstleisters entscheidend. Außer Frage stand für uns, dass bezüglich der Themen Daten- und Anwendungssouveränität der zukünftige Rechenzentrums-Provider europäischer Herkunft ist.


VOICE: IONOS ist Mitglied in der European Health Data Alliance (EHDA). Was bedeutet dies genau?

Mark Neufurth: Als Mitglied gestalten wir den Verband European Health Data Space (EHDS) aktiv mit. Mitglieder wirken an Modellen für bürgerzentrierte Gesundheitsdatenräume mit, inklusive technischer und organisatorischer „Blueprints“ für EHDS‑konforme Datenräume und Infrastrukturen. EHDA fokussiert sich auf ein Ökosystem, in dem die Patienten die Kontrolle über ihre Daten behalten und Lock‑in‑Effekte vermieden werden; die Mitglieder positionieren sich klar in Richtung souveräner, gemeinwohlorientierter Datenräume. Darüber hinaus fördert die Mitgliedschaft den Austausch zu technischen, organisatorischen und rechtlichen Lösungen (Interoperabilität, Governance, Security, EHDS‑Compliance) inkl. Transfer dieses Know-hows in die Mitgliedsorganisationen. Der Aufbau nationaler und internationaler Kooperationen mit Industrie, Forschung, Politik und anderen Mitgliedern ist ebenfalls Teil der Verbandsarbeit. Die Teilnahme an gemeinsamen Projekten und Pilotinitiativen rund um primäre und sekundäre Datennutzung (Versorgung, Forschung, Prävention, Reha) runden die Mitgliedschaft ab.

Halt! Einen Punkt habe ich noch: Die Mitglieder arbeiten gemeinsam an standardisierten, interoperablen Lösungsbausteinen für datenbasierte Gesundheitsservices, die sich leichter in EHDS‑konforme Märkte skalieren lassen.


VOICE: Vielen Dank für das Gespräch.

Interviewpartner:

Mark Neufurth, Public Sector Strategist bei IONOS

Dennis Feiler, Geschäftsführer, DFC-SYSTEMS GmbH

Über IONOS:

IONOS ist der führende europäische Digitalisierungs-Partner und zuverlässige Cloud Enabler für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das Unternehmen hat rund 6,5 Millionen Kunden und ist mit einer weltweit verfügbaren Plattform in 18 Märkten in Europa und Nordamerika aktiv. Mit seinen Web Presence & Productivity-Angeboten agiert IONOS als „One-Stop-Shop“ für alle Digitalisierungs-Bedürfnisse: von Domains und Webhosting über moderne Website-Builder mit künstlicher Intelligenz und Do-It-Yourself-Lösungen sowie E-Commerce bis hin zu Online-Marketing-Tools. Darüber hinaus bietet es Cloud-Lösungen für Firmen, die im Zuge der Weiterentwicklung ihres Geschäfts in die Cloud wechseln möchten.