Ganz Ohr: Welches Potenzial bietet Ambient Listening Kliniken und Praxen bereits heute?

Ganz Ohr: Welches Potenzial bietet Ambient Listening Kliniken und Praxen bereits heute?

Manche Patienten haben es vielleicht schon bei einem Arzttermin erlebt: Sie werden gefragt, ob eine App ihr Gespräch mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin aufzeichnen darf. Ambient Clinical Voice oder Ambient Listening ist ein von künstlicher Intelligenz (KI) gesteuertes Tool, das ein Gespräch zwischen Arzt und Patient mit Spracherkennung erfasst. Auf diese Weise lassen sich alle relevanten Informationen digital aufzeichnen und der tägliche Dokumentationsaufwand verringern.


Lesedauer: 3 min

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Ambient Listening?
Erste Erfahrungen aus Klinik und Praxis
Ambient Listening Lösungen ersetzen den Arzt nicht
Ausblick

Was bedeutet Ambient Listening?

Die in einem Arzt-Patienten-Gespräch von der KI erfassten Gesprächsinformationen werden innerhalb weniger Sekunden transkribiert und automatisch in eine strukturierte Dokumentation umgesetzt. Diese enthält, je nach Grund und Inhalt des Arzt-Patienten-Gesprächs, spezifische Abschnitte für die Anamnese, aktuelle Medikation, Ergebnisse der körperlichen Untersuchung, Diagnose sowie einen möglichen empfohlenen Behandlungsplan – einschließlich Verschreibung, Notwendigkeit eines weiteren Besuchs und Plan für eventuelle weitere diagnostische Untersuchungen. Seine Gedanken zur Diagnose sowie zur Verschreibung eines bestimmten Medikamentes formuliert der Arzt während des Gesprächs mit der Patientin laut, damit diese aufgezeichnet werden können. Die Angaben von Diagnoseschlüsseln, wie z. B. ICD10, ergänzen die meisten Ambient Listening Apps bereits eigenständig. Nach finaler Prüfung der aus dem Arzt-Patienten-Gespräch durch die App erstellten Angaben durch den Arzt können die Informationen in vorhandene Krankenhausinformations- oder Praxisverwaltungssysteme übernommen werden.

Erste Erfahrungen aus Klinik und Praxis

Einige Ärztinnen konzentrieren sich ausschließlich auf das Gespräch mit dem Patienten. Nachdem dieser das Untersuchungszimmer verlassen hat, nehmen sie sich eine oder zwei Minuten Zeit, um bestimmte Punkte hinzuzufügen, die sie zuvor vielleicht nicht laut ausgesprochen hatten. Andere hingegen stellen sicher, dass sie alles, was in die Aufzeichnungen muss, während des Gesprächs mit der Patientin laut formulieren, damit sie später nichts mehr hinzufügen müssen. Nach ersten Erfahrungen von Anwendern lassen sich auf diese Weise im Schnitt 5 bis 10 Minuten an Dokumentation pro Patienten einsparen. Die ersten Anwender berichten auch über eine Verbesserung der Dokumentationsqualität.

Ambient Listening Lösungen ersetzen den Arzt nicht

Wie bei jeder neueren Technologie ist auch Ambient Listening noch nicht perfekt. In einer Prüfung durch den Arzt sollte die KI-basierte Dokumentation final auf Vollständigkeit der im Arzt-Patienten-Gespräch gemachten Angaben geprüft werden.

Ausblick

Die Resonanz der Ärztinnen und Ärzte, die bereits Ambient Listening Lösungen nutzten, war durchweg positiv. Sie verwiesen auf die „Fähigkeit“ der Lösung, persönlichere und effektivere Patientenkontakte zu ermöglichen und den Dokumentationsaufwand deutlich zu verringern. Die befragten Patientinnen und Patienten äußerten sich ebenfalls positiv über die verbesserte persönliche Interaktion mit den Ärzten, die sich während des Gesprächs nicht mehr „hinter dem Computer verstecken“. Ziel muss es sein, die Ambient Listening Lösungen in den kommenden Monaten weiter zu perfektionieren, um den Aufwand für eventuelle Korrekturen durch das medizinische Personal zu reduzieren bzw. ganz auszuschließen. Neben Innovation und Funktionalität ist es unabdingbar, dass Ärzte sowie deren Patienten der Lösung vertrauen können.

Dennis Feiler, Geschäftsführer DFC-SYSTEMS GmbH

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Bildnachweis: Titelbild: © AdobeStock, Bild 1: © istockphoto, Bild 2: © DFC-SYSTEMS